Vertreterversammlung für das Geschäftsjahr 2016

5,5 Prozent Dividende an 22.630 Mitglieder ausgeschüttet - Wir halten Kurs trotz schwieriger Rahmenbedingungen

Am 28.06.2017 begrüßte unser Vorstandssprecher, Wolfgang Brünnler, die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter sowie weitere geladene Gäste zu unserer Vertreterversammlung in der Würzbachhalle in Niederwürzbach.

In seinen Ausführungen ging Wolfgang Brünnler zunächst auf die weiter anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ein und betonte, dass das Jahr 2016 kein leichtes Jahr für die Finanzbranche insgesamt war. „Die EZB verlangt seit März 2016 für die Einlagen der Bank -0,4% Zinsen. Für uns Banken stellt der Negativzins eine große Herausforderung dar. Die Margen zwischen Einlagen- und Kreditzinsen schrumpfen nicht unerheblich und der Niedrigzins schadet besonders kleinen und mittleren Banken mit einem traditionellen Geschäftsmodell, wie unserem Haus.“ so Wolfgang Brünnler.

Bei den „chronischen Minizinsen“ müssten Kosten reduziert und Erträge über Wachstum generiert werden, eine eierlegende Wollmilchsau, die es so nicht gibt. Brünnler wies darauf hin, dass Genossenschaftsbanken, die unserer Größe entsprechen, im Durchschnitt nur 7 bis 9 Geschäftsstellen hätten. Mit 19 Geschäftsstellen seien wir daher aktuell überdurchschnittlich aufgestellt. „Wir haben uns in der Vergangenheit immer gegen Geschäftsstellenschließungen gewehrt, das kann man an dieser überdurchschnittlich hohen Anzahl personell betriebener Geschäftsstellen gut erkennen. Nun holt auch uns die Marktentwicklung ein und wir sind gezwungen, zu reagieren. Aber ich versichere Ihnen, wir werden mit diesem Thema rational umgehen und mit gesundem Menschenverstand herangehen, wir werden keinen Kahlschlag vornehmen, wie dies die vorgenannten Zahlen vermuten lassen. Dennoch wird die Bank an weiteren Geschäftsstellenzusammenlegungen und Reduzierung von Geschäftsöffnungszeiten nicht vorbeikommen“.

Für das Jahr 2016 konnten wir ein deutlich höheres Ergebnis als im Jahr 2015 ausweisen. Allerdings war das Jahr 2015 von Sonderkosten der Fusion und einem nicht unerheblichen Wertpapierkorrekturbedarf beeinflusst, was sich im Jahr 2016 nicht wiederholt hat. „Wir sind dennoch wie bereits zuvor erwähnt, zum Handeln gezwungen.“ so der Vorstandssprecher. 

„Wir reagieren auf diese Entwicklungen so, wie man es von vernünftigen Kaufleuten erwarten darf: Wir wollen und müssen die Kosten optimieren und wir wollen und müssen uns alternative Ertragsquellen erschließen und dabei ist Wachstum Pflicht.“ so Wolfgang Brünnler. Erreichen möchte wir unsere Ziele durch Kundenorientierung und qualifizierte Kundenberatung. „Wir haben in den letzten Jahren stark in die Qualität unserer Kundenberatung investiert. Und wir werden dies auch weiterhin tun. Geldanlagen, die höhere Renditen generieren – beispielsweise Aktien – gewinnen an Bedeutung, bergen allerdings auch höhere Risiken. Um hier die richtige Entscheidung zu treffen, benötigen Anleger die Unterstützung von Fachleuten, von unseren hoch qualifizierten Mitarbeitern.“

Zum Monatsbeginn hat ein neues Projekt „Beratungsqualität“ gestartet, eine Qualifizierungsmaßnahme für alle Vertriebsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter unserer Bank. Durch Einbindung von neuen IT-Techniken wird die Beratungsleistung noch weiter intensiviert und qualifiziert. Der Volleinsatz in der Praxis soll nach Abschluss der entsprechenden Schulungsmaßnahmen bis zum Anfang des kommenden Jahres erfolgen.

Zudem startet ab dem 5. Juli das neue Kundenservicecenter, mit dem die Kundinnen und Kunden unserer Bank künftig viele Prozesse wie Überweisungen, Wertpapierkäufe oder Verkäufe, Dauerauftragsänderungen, Terminvereinbarungen etc. bequem von zu Hause aus telefonisch erledigen können. „Damit vereinfachen wir in vielfacher Hinsicht geschäftliche Abwicklungen zwischen Ihnen und uns und es wird künftig vieles schneller, einfacher, und noch komfortabler sein. so Wolfgang Brünnler. Durch die Erweiterung des Servicepaketes sind wir künftig über das neue Kundenservicecenter von 06:00 - 22.00 Uhr zu erreichen sein, zudem an Samstagen und Sonntagen von 09.00 - 14.00 Uhr (Feiertage ausgenommen).

Trotzdem grenzen wir uns weiterhin deutlich von den Direktbanken ab: „Wir sind keine Direktbank und wollen es auch nicht werden. Wir glauben, dass der persönliche Kundenkontakt immer noch ein bedeutendes Geschäftsmodell darstellt und erfolgreich ist. Daher haben wir auch in den letzten 3 Jahren 3 Mio. Euro in Geschäftsstellenrenovierung -und Neubauten investiert. Und das ausschließlich mit Handwerkern aus der Region, womit wir Arbeitsplätze sichern.“

Unser Vorstandssprecher machte deutlich, dass bei unserer Bank, solange es die Zinspolitik der EZB und die allgemeinen volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen zulassen, auf die Einführung von Negativzinsen für Privatkunden verzichtet wird.

Anschließend ging unser Vorstandsmitglied Helmut Scharff näher auf die Geschäftsentwicklung unserer Bank ein. In dem ersten vollen Geschäftsjahr nach der in 2015 vollzogenen Fusion liegt die Genossenschaftsbank weiter auf „Wachstumskurs“. Die Bilanzzahlen verdeutlichen dies durch eine positive Entwicklung: „Unsere VRB Saarpfalz eG hat sich erneut als verlässlicher Partner vor Ort und in der Region präsentiert und Marktanteile weiter ausgebaut. Das kommt sowohl in der Bilanzsumme und im Kundengesamtvolumen als auch auf der Passiv- und Aktivseite sowie in der Gewinn- und Verlustrechnung zum Ausdruck. Die Bilanzsumme hat sich in 2016 um 3,9 % auf 686,5 Mio. Euro erhöht. Die Steigerung erfüllte somit unsere Planwerte.“ so unser Vorstandsmitglied Helmut Scharff.

Hervorgehoben wurde die Entwicklung bei dem Kundengesamtvolumen (Gesamtheit aller Einlagen und Kredite inklusive der von uns betreuten Produkte unserer Verbundpartner), bei dem ein Zuwachs von 1,3 % auf 1,36 Milliarden Euro verzeichnet werden konnte.

Gefragt waren wir im Jahr 2016 auch als Kreditgeber. Die Aktiva lagen mit einem Zuwachs von 2,6 % auf 375,2 Mio. Euro unter den Planwerten. Das Kreditvolumen wurde um 9,6 Mio. Euro erhöht. Unsere Bank verzeichnet insgesamt einen deutlichen Trend hin zu langfristigen Darlehen mit Zinsfestschreibung. „Das Geschäft mit privaten Wohnbaudarlehen stagnierte, was auch auf die Unsicherheiten aus der Wohnimmobilienkreditrichtlinie zurückzuführen ist.“ so Helmut Scharff. Zur Aktivseite gehören auch die Geld- und Kapitalmarktanlagen. Diese betrugen zum Jahresende 2016 rd. 286 Mio. EUR.

Die Kundeneinlagen haben sich „zufriedenstellend“ entwickelt. Hier konnten wir mit +4,5 % auf rd. 606 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr abschließen.

Während die klassischen Spareinlagen mit rd. 245 Mio. EUR einen leichten Rückgang verspürten, erhöhten sich die anderen Einlagen um rd. 27 Mio. EUR. Im Jahr 2016 hat sich der in den Vorjahren zu beobachtende Trend weiter fortgesetzt: „Die Anleger vermeiden langfristige Geldanlagen und bevorzugen liquide Anlageformen. Dies ist vor allem auf das weiterhin äußerst niedrige Zinsniveau zurückzuführen. Sicherheit und Verfügbarkeit hat weiterhin hohe Priorität.“ so Helmut Scharff.

Das Kundenvermögen bei den Verbundpartnern lag im vergangenen Jahr bei 249 Mio. Euro. Das gesamte betreute Kundenanlagevolumen wurde um rd. 41,4 Mio. EUR auf nunmehr rd. 855 Mio. EUR gesteigert. Die Bankenrefinanzierungen hat von 22,9 Mio. EUR auf 19,1 Mio. EUR zurückgeführt, davon 1 Mio. Euro vorzeitig. Das bilanzielle Eigenkapital wuchs um 3,5 Mio. EUR auf nunmehr 54,3 Millionen Euro.

Die Zinserträge reduzierten sich um 1,4 Mio. Euro auf rd. 17,3 Mio. EUR. Gleichzeitig reduzierten sich die Zinsaufwendungen auf rd. 2,2 Mio. Euro. Der Zinsüberschuss liegt somit fast genau bei 15 Mio. EUR. Die Erträge aus dem Provisionsgeschäft haben sich mit 5,4 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr nur unwesentlich verändert. Das Rohergebnis aus dem Warengeschäft reduzierte sich um 5,8 % auf 663.000 EUR. Der Verwaltungsaufwand sank von 16,3 Mio. Euro auf 15,2 Mio. Euro. „Berücksichtigen muss man hierbei die in 2015 erhöhten Verwaltungskosten aufgrund der Fusion. Ein Grund dafür, dass wir die Verwaltungskosten nicht noch weiter reduzieren konnten liegt sicherlich auch in den erhöhten regulatorischen Anforderungen. Außerdem sind im Verwaltungsaufwand auch die Kosten zur Neugestaltung unserer Geschäftsstelle in Erbach, die Umbaumaßnahmen in unserer Geschäftsstelle in Frankenholz sowie die Planungskosten für den Umbau unserer Hauptstelle in Homburg, den wir in diesem Jahr begonnen und abgeschlossen haben, berücksichtigt.“ so Helmut Scharff.

Das Bewertungsergebnis insgesamt hat sich gegenüber dem Vorjahr um 1,1 Mio. EUR verbessert, wodurch ein Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit in Höhe von rd. 5,4 Mio. EUR, gegenüber 2,9 Mio. EUR im Vorjahr ausgewiesen werden konnte.

Im Jahr 2016 haben wir Vereine, soziale, öffentliche und kirchliche Einrichtungen mit fast 80.000 EUR unter die Arme gegriffen und das Gemeinwohl mit Steuerzahlungen in Höhe von 1,4 Mio. Euro unterstützt. Wir setzen damit unser Engagement als Regionalbank im Saarpfalz-Kreis weiter fort.

Zum 31. Dezember 2016 verzeichnen wir insgesamt 22.630 Mitglieder mit 69.548 Geschäftsanteilen. Mit einem Jahresüberschuss nach Steuern in Höhe von 652.000 Euro lag der Gewinn knapp unterhalb des Vorjahresniveaus.

Nach der Zustimmung zum Jahresbericht und der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat stimmten die Mitgliedervertreterinnen und -vertreter einer Dividende von 5,5 Prozent für das Jahr 2016 zu. 155.000 Euro gehen in die gesetzlichen Rücklagen und 155.000 Euro in andere Rücklagen unseres Genossenschaftsinstituts.

Trotz gestiegener Herausforderungen durch Niedrigzinsniveau, zunehmende Regulatorik, Digitalisierung und demografischem Wandel zeigte sich unser Vorstandsmitglied Helmut Scharff mit dem Verlauf und Ergebnis des Geschäftsjahres insgesamt zufrieden.

Foto: VRB Saarpfalz eG